Wenn Blogger sich im Buchladen outen

Blogger meets Buchladen

In der Zeit zwischen Ende Oktober bis Mitte Dezember geht es rund beim Phil; da haben viele Freunde und Bekannte Geburtstag (alles Faschingskinder, wie er selber ja eines ist), für die es Geschenke zu besorgen gilt und auf deren Feiern er sich im Zweitagestakt durchfuttert und die Ömme zu ballert. Anstrengend, aber in darauf folgenden Weihnachtszeit kann er dann ja schön ent- und abspannen. (Nur dieses Jahr nicht, weil er gemeinsam mit den Altstadtextremisten in den Lungau düst, um Schlösser und Burgen zu erwandern…)

Letzten Samstag war mal wieder Konsumterror angesagt, es galt insgesamt fünf Geschenke oder Partymitbringsel zu besorgen, ergänzt durch die Aufgabe, Ladengeschäfte anzubetteln, damit deren Inhaber in den Schaufenstern jenes Plakat gut sichtbar anbringen, das für unsere Lesung im Dezember wirbt. Die Läden und Kneipen in der Altstadt machten alle sofort mit, es gab keine Diskussionen und nur ab und zu die Frage, was das denn wäre - eine Bloglesung. Die ich gerne beantwortete und sogar vereinzelt Interesse wecken konnte.

Danach gings weiter in die Innenstadt; Plakate und Handzettel verblieben im Auto, denn hier wollte ich eh keine Werbung machen, weil über 60% der Hanauer eh nicht des Deutschen mächtig sind ich das Werbematerial nicht zusätzlich zu den Geschenken mit mir herumschleppen wollte. Auf meinem Einkaufszettel standen auch zwei Bücher und wie ich so vor einem der alteingessenen Buchläden von Hanau stand, fiel es mir wie Schuppen aus den Haaren von den Augen - Männo, zielgerechter kann man doch gar nicht besser Werbung für eine Lesung machen, als im Fenster eines Buchgeschäftes! Yeah! Geistesblitz - und das am späten Samstag Vormittag!

Beim Bezahlen der Buchgeschenke fragte ich also prompt die Kassiererin, an wen ich mich wenden könne, damit man meiner Bitte entspräche, hier ein Plakat aufzuhängen. Sie verwies mich an einen alten Herren im Laden, der sich mir als Inhaber namens B. Wurm vorstellte. Wäre kein Problem, brummelte Herr B. Wurm als Antwort und so hastete ich zum Auto, um zwei Plakate zu holen. Kaum wieder hechelnd im Laden zurück, entwickelte sich ein Dialog, der zwar etwas übertrieben wiedergegeben erscheinen mag, im Kern aber dem Erlebten entspricht:

B. Wurm (Brille aufsetzend): “So, junger Mann, jedzd zeische se mol her, was des ferr e Bosder is.”
Phil (zeigt Poster): “Hier, ist doch schön, sogar in Grün und Rot gehalten, passt klasse zur Weihnachtszeit!”
B. Wurm (langsam alles über den Brillenrand musternd): “E Blogglesungg? Wass’n des?”
Phil (stolz erklärend): “Das ist eine öffentliche Lesung, da lesen Autoren aus ihren Werken vor!”
B. Wurm (stirnrunzelnd): “Kenn’ isch, mache merr hier aach öfders im Laade. Awwer, en Blogg, des kenn’ isch ned!”
Phil (helfend gestikulierend): “Das ist eine Internetseite, auf den Autoren Prosa, Lyrik und so weiter veröffentlichen, welche jeder, der es mag, lesen kann. Und es kostet nichts.”
B. Wurm (noch mehr Runzeln bildend): “Inderned? Kenn isch ned, haww isch ned und will isch ned. Awwer wenn des nix kosd, dann is des doch schlechd ferrn Verkauf ihrener Bücherr.”
Phil (in sich lächelnd, noch, auf das Plakat tippend…): “Nein, nein - wir, also die Autoren, die da lesen werden, schreiben nur im Internet. Bücher und so gibt es nicht von uns. “
B. Wurm (schaut mich an, als käme ich direkt vom Saturn): “WIE??? Sie schreiwwe da was ferr die Leud und des werd vorrherr ned gedruggt?”
Phil (den Dialog schon bereuend): “Nein, in diesen Blogs kann jeder schreiben was er will, nur gegen geltende Rechte und so darf man nicht verstossen.”
B. Wurm (mich scharf fixierend): “Noch e mol, damit isch es kabier - kaaner kontrollierd des wo sie da schreiwwe? Kaan Legdor oder so guggt do e mol driwwer?”
Phil (augen verdrehend, den Laden innerlich schon am Verlassen): “Nein, jeder Blogger ist quasi sein eigener Verleger.”
B. Wurm (heftig Kopf schüttelnd): “Ne! Ne, ne und noch e mol ne. In maaner Zeid hädds des ned gegewwe. Wisse se was, isch iwwerlech merr des noch e mol, des mit ihrenem Bosder.”
Phil (sich langsam Richtung Tür drehend): “Ja dann… - trotzdem vielen Dank.”
B. Wurm: “Gerrn. Und viel Spass mit ihrene neue Bücherr.”
Phil (Richtung Tür gehend): “Danke…”
B. Wurm (hinterher rufend): “Unn Sie, wisse se noch was?”
Phil: “???”
B. Wurm (triumphierend): “Ferrnsehn, also ferrnsehn - des duh isch seit zwansisch Jahrn aach nemmer!”

Phil

8 Kommentare zu “Wenn Blogger sich im Buchladen outen”

  1. der Neohesse

    Jetzt stell dir mal vor, was passiert wäre, wenn Du dem dann noch erzählt hättest, daß das Fernsehprogramm mittlerweile in Farbe und mit Ton versehen ist.

  2. Phil

    Der wäre gut gekommen :-)

  3. dieJulia

    Hm. Und was ist, wenn man schon einmal ein Buch geschrieben hat, seit fünf Jahren aus Gründen keinen Fernseher hat und trotzdem bloggt? :-}

  4. Ralfi

    Mir fällt da nur die etwas andere Umschreibung für Hanau ein … Hessisch Uganda … da kommt alles etwas später an (oder nie).

    Aber für mich persönlich ist es Öl auf den Mühlen, denn nichts anderes habe ich erwartet.

  5. Phil

    @dieJulia: Ich weiss, wer Ihnen den Dialog überstzt hat … ;-) Und was die Frage betrifft, ist da irgendwie der Wurm drin …
    @Ralfi: Das sagt der Richtige - jahrelang in einem landwirtschaftlichen Ballungsgebiet hausen, seit ein paar Monaten in der Stadt wohnen und dann gleich die Klappe aufreissen … :-)

  6. Erdge Schoss

    Sie sollten es, werter Herr Phil, vielleicht nochmals versuchen,
    wenn Wurm junior das Ruder im Buchladen übernommen hat …

    Herzlich
    Ihr Erdge Schoss

  7. Phil

    Herr Schoss, wenn der vom Babba angelernt wurde, sehe ich schwarz-weiss

  8. Ralfi

    Lieber Phil

    KLEINE Korrektur … WIEDER in der der Metropole wohnen :)

Einen Kommentar schreiben:

XHTML: Du darfst diese Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>



Zur Startseite

Blogverzeichnis - Blog Verzeichnis bloggerei.de