Der Erfolg von WKW - Antworten!
Schon wieder ich, weil mir heute in Rivva mehrere Beiträge von Robert Basic, zweipunktnull und TechBanger aufgefallen sind. Schon wieder ich, weil ich mich ausnahmsweise erneut zu einem Topthema der “erfolgreicheren” Blogger äussere. Eigentlich hätte ich bei Robert etwas mehr Butter bei die Fische erwartet; insbesondere was die Gründe für den Erfolg des SN (social network) WKW (wer-kennt-wen) sein könnten. Aber so wurden in allen drei von mir verlinkten Blogs lediglich Fragen aufgeworfen, anstatt Antworten zu geben. Soviel nur mal zum Thema journalistisches Anspruchsdenken von Blogs, bei denen ich in diesem Fall eigentlich mehr erwartet hätte, als ein paar umgestrickte Kennzahlen und Infos von Kress in die Blogosphäre zu rotzen.
So versuche ich nun ein paar Antworten aufgrund meiner Erfahrung als User in WKW zu liefern. In einem meiner früheren Beiträge diskutierte ich ja kurz mit Herrn GP über unser inzwischen langjähriges Engagement auf den so zahlreichen und unterschiedlichen Plattformen im Web, welche für meinen persönlichen Geschmack aus heutiger Sicht durchaus schon als Überangebot bezeichnet werden kann. SchülerVZ, StudiVZ, Xing und hastenichtgesehen bilden den Lifecycle eines Menschen ab, der je nach Lebensabschnitt und der damit jeweilig persönlichen Interessensituation von den unterschiedlichsten Anbietern begleitet (und nachhaltig vermarktet) wird. Es wurde von einem der o.a. verlinkten Blogger die Frage gestellt, welchen Nischenmarkt WKW denn bediene? Hä? Hätte man sich auch nur mal 5 Minuten jenes SN angeschaut, dann hätte man feststellen können, das WKW eben k e i n e n speziellen Markt anvisiert.
Dieses Netz für Kontakte ist für a l l e da und das ist aus meiner Sicht ein wesentlicher Erfolgsfaktor. Vor etlichen Monaten hatte ich mal tabula rasa gemacht und mich von allen Internetplattformen abgemeldet, bei denen ich keinen Nutzen erkenne. Und da blieb als SN für mich als Selbständigen nur noch Xing und die Projektbörse Gulp übrig. Zum Chatten und telefonieren verblieb Skype, Freemailkonten wurden nach den Yahoo-Problemen auf fast Null eingedampft und plötzlich hatte ich wieder mehr persönliche Freiräume als vorher vermutet.
Dann, eines Tages in diesem Jahr, bekam ich eine Einladung von einem Freund zu WKW. Boah, noch so’n Klick-Dich-Klick-Mich-Scheiss war mein erster Gedanke und liess WKW erstmal ein paar Tage links liegen. Später las ich irgendwo etwas über dieses Web-Projekt, das damals gar nicht so kommerziell geplant war, wie es heute in vielen Berichten den Anschein hat, nur weil RTL & Co. jetzt seine Finger da mit drin haben. Auch wenn man sich heute brüstet, wie toll der Erfolg von WKW doch sei und welcher Web-Oberschlaumeier am Erfolg mitgestrickt habe - mir ist jener (leider nicht mehr auffindbare) Artikel im Kopf hängen geblieben, weil es in jenem nämlich hiess, dass der Erfolg eben n i c h t geplant war. Denn WKW war bis vor kurzem nichts anderes als eine kleine regional aktive Plattform, auf der sich ein paar Süddeutsche und Saarländer tummelten.
Dann passierte aber folgendes aus Gründen, auf die ich gleich noch eingehen werde: WKW begann sich wie ein Krake langsam von Süden nach Norden auf der Deutschlandkarte hochzuarbeiten was die Neuanmeldungen von Usern betrifft; heute hat es fast die Mitte der Republik erreicht; Topanmeldungsbereiche sind aktuell Mannheim, Frankfurt, Hanau, Köln und als regionaler Ausreisser Berlin (…was vielleicht daran liegt, dass ich ein paar Berliner “genötigt” habe, sich dort anzumelden ;-) ). Dieser Effekt ist leicht erklärt. Jeder kennt viele Leute in einem kleineren Umkreis von sagen wir mal bis zu 30 Kilometern. Und ein paar wenige, die weiter entfernt wohnen. Hat man sich also bei WKW ”kennengelernt”, gucken jetzt die nördlich Wohnenden nach anderen Bekannten aus ihrem Umfeld; ihre südlichen Kontakte sind meistens über Zweit- und Drittkontakte des Einladenden schnell ausfindig gemacht und werden um den Rest der akribisch gesuchten Kontakte aus dem Norden ergänzt. Es greift die S a m m l e r m e n t a l i t ä t des Teutonen; man möchte seine Lieben ja vollständig haben und so zieht die WKW-Karawane weiter, bis die See bald erreicht sein wird.
Aber warum tun das die User so zahlreich? Nun eine Antwort mag sein, dass WKW p e r s ö n l i c h ist. Das Erscheinungsbild ist fast schon bieder zu nennen, übersichtlich und in den angebotenen Funktionalitäten auf das Notwendigste eines SN beschränkt. Das bissi Werbung am rechten Seitenrand ist fast zu vernachlässigen; es fällt eigentlich kaum auf und stört somit nicht. Des weiteren sind Links in der Menüführung eindeutig benannt und beinahe komplett in deutscher Sprache gehalten; das verstehen also auch Ältere!
Womit wir bei der nächsten Antwort sind. WKW ist v e r s t ä n d l i c h und findet selbst bei DAUs seine Akzeptanz. Das wurde mir von eben solchen auch schon persönlich bestätigt; auch wenn dies im Rahmen einer mir beim Feierabendbier gestellten Frage zu WKW geschah (…Du Phil, wie lege ich denn bei WKW eine Gruppe an???). Unter meinen Kontakten, welche oft in meinem Alter um die Mitte 40 sind, sind viele, von denen ich weiss, dass sie das Web bislang scheuten wie der Teufel das Weihwasser.
Trotzdem melden sich immer noch aus meinem persönlichen Umfeld Leute an, von denen ich eigentlich dachte, dass die ihre Korrespondenz noch auf einer Reiseschreibmaschine erledigen und PCs nur aus der Glotze kennen. Warum ist das so? Nun, meiner Erfahrung nach ist das SN WKW auch ausserhalb des Internets g e s e l l s c h a f t s f ä h i g. Ich habe jetzt schon so oft erlebt, wie in Kneipen, Biergärten oder sonstwo erstmal gefragt wird, wer denn alles unter den Anwesenden bei WKW angemeldet sei. Es folgt i.d.R. ein grosses Hallo und knapp die Hälfte der Hände geht hoch; also genau jene ~ 50%, die zu jenen Usern in Deutschland gehören, die statistisch betrachtet etwas erfahrener und schon länger im Web unterwegs sind. Und die anderen 50%? Die gucken bedröppelt, weil alle anderen unter grossem Powhow erzählen, wer denn da alles so drin sei und bei alten Schulkontakten z.B. ablästern, wie der oder die von früher denn heute aussähen.
Das macht also ganz schön neugierig und so manche latente Technikangst Älterer wird eben durch die Neugier besiegt. Sehr oft sogar, meiner Erfahrung nach. Hier kommt wieder die simple Handhabung von WKW ins Spiel, die eben bei der Überwindung jener Internetscheu unterstützend mitwirkt und Neulingen die Bedienung einfach gestaltet. Neben dem Effekt, dass man über jenes SN auch in seiner Freizeit mit anderen Menschen über es spricht, stelle ich fest, das wer-kennt-wen n ü t z l i c h ist. In mehrfacher Hinsicht. Nirgendwo mehr habe ich längst vergessen gedachte Kontakte wiedergefunden als in WKW, was bei der Organisation eines Klassentreffens, des Wiedersehens mit dem früheren Mantaclub oder der 1970er Häkelgruppe aus dem Vorspessart sehr hilfreich sein kann (Nein! Ich bin in keiner der letzten beiden Gruppen!).
Aber auch bestehende, aktive soziale Kontakte bzw. Netzwerke erkennen, wie man sich über WKW das Leben miteinander leichter machen kann, indem man sich über Gruppen oder z.B. Events organisiert. Man verabredet sich in der Tanzteegruppe zum Sonntagssamba oder zum nächsten Fussballspiel von Bayern Alzenau. Wie immer bei all diesen SNs gibt es bei WKW auch eine Menge Gruppen, die natürlich einfach nur Blödeleien oder sonstwelche unnütze Inhalte zum Besten geben; aus meiner Sicht scheint der Anteil von Gruppen, die sich eher “sinnhaft” organisieren, bei WKW viel höher als bei anderen SNs zu sein (…und ich verrate jetzt nicht, dass ich inzwischen auch in einer Blödelgruppe bin, die sic! am sonntäglichen Stammtisch im Biergarten gegründet wurde).
Nächster simpler auf der Hand liegende Grund der laufenden Erfolgsstory ist: Das Internet hat im Verständnis der User k o s t e n l o s zu sein und WKW ist es. Und bleibt es hoffentlich in seinem eigenen Interesse wie auch der User. Gerade für die Reaktivierung “früherer” Kontakte boten sich z.B. Schul- oder Alumni-Plattformen dem User an; allerdings meist gegen Gebühr. Ich persönlich habe mich selbst nach Senkung der Beiträge stets geweigert, mich beim Klassenprimus Stayfriends oder vergleichbaren Angeboten anzumelden, die eigentlich die Chance hatten, genau jene Klientel an älteren Surfern zu rekrutieren, die WKW jetzt die Türe einrennen. Ich muss also kein Orakel sein, um das vorhersehbare Ende von Stayfriends & Co. voraus zu ahnen; dieser Bus wurde von diesen Serviceprovidern vor circa einem Jahr verpasst.
Weitere Gründe, den ich als einen nicht zu unterschätzenden Erfolgsfaktor für WKW betrachte, sind der F l i r t f a k t o r und die E h r l i c h k e i t der meisten Userprofile. Dass auch ich ab und zu blöde Gästebucheinträge von einsamen Damen erhalte, habe ich in meinem Blog schon mal als für mich negativ empfundenes Element beschrieben. Es hält sich aber in erträglichen Grenzen, auch was die Anzahl der unaufgeforderten Nachrichten (manchmal mit Handynummern!) an mich betrifft. Aber das Gästebuch kann ich ja abklemmen, wenn es mir zu bunt werden würde. Und meinen Beziehungsstatus könnte ich auch ändern, wenn ich es denn wollte.
Im Gegensatz zu professionellen Singlebörsen bietet WKW zwar relativ wenig persönlich interessante Informationen zu einem interessanten Userprofil, aber trotzdem gerade noch ausreichend genug, um eben einen ersten Flirtansatz beim Gegenüber finden zu können. In Sachen Kontaktanbahnung bietet WKW neben der Gebührenfreiheit gegenüber fast allen grösseren Singlebörsen einen gnadenlosen Vorteil - der Anteil an gefakten Profilen ist aus meiner Sicht erstaunlich gering. Im Gegensatz zu Friendscout & Co., bei denen ich auch mal herumturnte, sind die meisten User recht offen und sehr ehrlich in den Angaben und veröffentlichten Fotos, die sie zu sich selber machen. Selbst im Nachrichtenverkehr direkt nach einem ersten Flirtversuch.
Was zum letzten Grund des Erfolgs bei WKW aus wirtschaftlicher Sicht führen könnte: Die Q u a l i t ä t d e r U s e r d a t e n a u s V e r m a r k t u n g s s i c h t. Eben jene von mir als gering eingeschätzte Fakequote und die meist personen- und realitätsnahen Angaben der User über sich machen die in WKW gesammelten Informationen sehr wertvoll. Ein Datentopf, der recht kompakt ist, wenn nicht sogar als rudimentär aus Vermarktungsaspekten bezeichnet werden kann, aber neben dem Grund seiner hohen qualitativen Güte daher auch schnell auswertbar ist.
Wobei ich bei allen nachvollziehbaren und auch positiven Gesichtspunkten des WKW-Wahns eines feststellen muss - für meinen Geschmack gehen etliche User bei WKW zu sorglos mit den Informationen um, die sie zu Ihrer Person angeben. Persönlich habe ich nur Jenes dort gespeichert, was ich vermarktungstechnisch für mich als unbedenklich einstufe bzw. die Konsumgötter eh schon von mir wissen. Persönliche Angaben wie z.B. Adresse, Telefon und Privatmail haben dort nichts zu suchen; auch nicht für jene, die ich kenne. Wenn jemand diese Informationen haben möchte, kann er/sie mir ja eine Nachricht senden. Kostet ja nix!
Phil

am 29. Juli 2008 um 23:06 Uhr.
[...] der nächste, der sich damit beschäftigt, warum “Wer Kennt Wen” durch die Decke geht: Der Erfolg von WKW - Antworten! [...]
am 30. Juli 2008 um 08:29 Uhr.
Aus eigener Erfahrung kann ich zu WKW nicht viel sagen.
Ich erlebe derzeit nur mit, wie ein anderer lieber, gutaussehender , intelligenter Mensch leidet, weil ein ihm unbekanntes Wesen bei WKW ein Profil für ihn erstellt hat (vermutlich aus reiner Menschenliebe), mit Foto, allerlei privaten Details und dem unmissverständlichen Aufruf , ihn doch bitte zu jeder Tages- und Nachtzeit zu beflirten.
Dies nur kopfnickend zur Bestätigung des letzten Absatzes Deines Posts.
am 30. Juli 2008 um 10:06 Uhr.
@cara: leider gibt es solche Deppen auf beiden Seiten des Geschlechts, die meistens dem/der Ex auf diese Weise (nicht nur bei WKW) übel mitspielen. Ein Leser dieses Blogs ist bei WKW wieder weg, weil seine Ex-Frau ihm dauernd per mail etc. “dämlich” gekommen ist. Das war ihm dann irgendwann zu dumm ;-)
am 30. Juli 2008 um 12:28 Uhr.
[...] den derzeit grandiosen Erfolg von WKW findet sich bei Murmeltiertag ein spannender Artikel. Kurz gesagt: es ist die Einfachheit die WKW auch für viele Nicht-Onliner [...]
am 5. August 2008 um 21:07 Uhr.
Aha, Sie also auch, werter Herr Phil.
Dann mach ich mich jetzt gleich mal auf die Suche.
am 6. August 2008 um 09:29 Uhr.
@FvW: Hab Sie! :)
am 17. September 2008 um 16:44 Uhr.
yeah wkw rulez , dass nummer eins sozial network in deutschland !! ;))
Anmerkung Phil: Name geändert und URL gelöscht, da Kommentar implizit Werbung sein könnte.
am 13. November 2008 um 09:34 Uhr.
wer-kennt-wen.de in Zahlen*…
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