Das Freitagsritual

Phil am 3. September 2010 um 14:06

Freitags, im Büro. Wie so oft ein ruhiger Arbeitstag.

Phil (ca. 10:15 Uhr): “Chef, ziemlich ruhig bei mir, hammse noch irgendwas zu tun für mich?”
Chef: “Hmmm, nöö, bei mir ist auch ned viel los.”
Phil (ca. 11:30 Uhr): “Chef, mach heute etwas länger Mittag, ist das o.k.?”
Chef: “Geht in Ordnung, mach heute auch länger Pause, ist ja nix los.”
Phil (ca. 14:00 Uhr): “Chef, ich gehe heute um Drei nach Hause, das Wetter ist ja recht schön und zu tun ist eh nix mehr.”
Chef (zaubert aus der Schublade): “Hmmm… warten Sie mal … Also hier das muss noch gemacht und dann das hier wie auch noch jenes noch. Das eilt alles, muss heute noch fertig werden, aber bis sechs, sieben Uhr ist das für Sie ja locker zu packen.”
Phil: *… Arschloch!!!*

Phil

Wahrscheinlich bin ich ein Nazi.

Phil am 1. September 2010 um 18:07

Umgangssprachlich meint man mit der Sau, die durchs Dorf getrieben wird, nichts anderes als eine Sache, die viel diskutiert wird und Aufregung erzeugt. Und alle hoffen, dass diese Sache schnell von etwas Neuem abgelöst werden wird.

Und so scheint es mir derzeit auch bei der Diskussion um das Buch Deutschland schafft sich ab von Thilo Sarrazin in allen präsenten Medien zu gehen - husch husch, raus mit der Sau aus dem Dorf - wie konnte der denn bloß?

Ja, Herr Sarrazin hat nämlich das gemacht, was einige Großkopferte schon vor ihm gemacht hatten, der Roman Herzog mit seiner Ruck-Rede oder z. B. der Horst Köhler mit seiner Meinung zum Bundeswehreinsatz in Afghanistan - beide hatten das Maul aufgemacht ihre Meinung kundgetan, was einen Aufschrei der Menge und erst recht des selbsternannten politischen Establishments erzeugte, weil der Tenor der Meinungen eher persönlicher Natur war und für viele Kreise in unserer Gesellschaft in der Gesamtmeinung kontrovers ausgelegt war. Und die nachfolgende Diskussion auf jene Meinung, insbesondere die Art und Weise der Auseinandersetzung mit dem Thema in der Öffentlichkeit, hat Horst Köhler ja letztlich resignieren und seinen Rücktritt einreichen lassen.

Das so vehement diskutierte Buch habe ich nicht gelesen und werde es auch nicht, weil da wahrscheinlich wenig Neues für mich drinstehen würde; das, was ich aus der öffentlichen Diskussion mitbekomme, reicht mir aus, mir ein grobes Bild von der Machart des Inhalts zu zeichnen. Es ist mir auch wurscht, ob der Autor nun ein Nazi sei oder nicht, der Deutsche wie auch der Jude in unserem Lande schreit bei dem Thema ja schon auf, wenn auch nur annähernd irgendein rechtspopulistischer Bezug zu irgendwas hergestellt werden kann. Ich wundere mich eh schon seit Jahren, dass bei den Lottozahlen immer noch die 18, 33, 39 und 45 gezogen werden darf.

Doch darum geht es ja wohl nicht und das sehen viele andere Leute wohl auch so.

Mein Voting befindet  sich im Meinungstopf der Mehrheit, aber nicht weil ich an genetische Verwandtheit von Bevölkerungsgruppen oder an die Dummheit bestimmter ausländischer Mitbürger und Hartz IV Empfänger glaube, sondern weil ich es klasse finde, dass endlich mal wieder ein Großkopferter den Mumm hat, sein Maul aufzumachen und den Hut in den Ring wirft.

Aber was passiert nun? Anstatt sich der Thesen und “Provokationen” Sarrazins zu stellen und zu versuchen, ihm diese mittels alternativer Statistiken und der Wissenschaft (quasi mit seinen eigenen Waffen) zu widerlegen, da brüllt der mediale Mob meist nur Nazisau. Toll, etwas Besseres fällt der politischen wie auch schreibenden “Elite” in unserem Land dazu nicht ein.

Wieso nimmt man sich der Thesen nicht an, denn grundsätzlich scheint der Autor mit seinen Ausführungen zur Zukunft Deutschlands ja nicht völlig daneben zu liegen. Wieso also nicht die Themen aufgreifen und kontrovers und fair diskutieren - das brächte mehr, würde unserer Gesellschaft wahrscheinlich nutzen und Herrn Sarrazin an der einen oder anderen Meinungsecke bestimmt konterkarieren.

Vielleicht war es sogar seine Intention, diese Diskussion in unserem Land anzufachen, aber was durch die breite Masse gerade daraus gemacht wird, hat Thilo Sarrazin letztendlich allein schon mit dem Buchtitel beschrieben - Deutschland schafft sich ab und hat es sich eigentlich auch schon dahingehend, indem Gesprächskultur, Meinungsfreiheit, Fairplay im Dialog, Respekt vor dem Individuum und Toleranz vor dem Andersdenkenden in die Tonne der Meinungsmacher und -lobbyisten getreten wird.

Eigentlich bin ich erschüttert über so viel Krudes und Dummes, was ich in der Presse, den TV-Sendern und auch in vielen Blogs zum Thema mitbekomme und finde es beschämend, wie die meisten Beteiligten (und vielen mitlaufenden Wichtigtuer) nur mit der brachialen Meinungskeule einen Ansatz (den Sarrazins) niederknüppeln, wie Deutschland mit etlichen anstehenden gesellschaftlichen Veränderungen und Problemen in Zukunft umgehen könnte. Nicht hinter der kompletten Meinung Sarrazin stehe ich, aber hinter dem Ansatz und dem Mumm, eben diese Meinung zu sagen. Wahrscheinlich bin ich deshalb wohl ein Nazi.

Phil

[kopfgeschosse:51]

Phil am 29. August 2010 um 22:31

Sofern Du einen Neuanfang suchst,
solltest Du nicht am Ende verweilen.

Phil

Objektiv-Roulette

Phil am 27. August 2010 um 17:41

Bald drehe ich am Rad… Die letzten Wochen und Monate bestanden aus Objektive und diverses Zubehör verkloppen und Neues stattdessen zu kaufen - natürlich in ganz moderater Weise. Das bis 300mm Telezoom ist z.B. weg und heute kam das 120-400mm Zoom an. Mit dem 10-20mm am unteren Ende der Blickwinkelstange, das ich jetzt am längsten im Portfolio habe, bin ich jetzt für Afrika wohl bestens gerüstet. Ohne großartige Nachbearbeitung habe ich mal aus meiner Bumshöhle Dachluke geschossen und zeige rechts jenes bei 400mm, was es links bei 10mm Brennweite zu suchen gilt.

Im Prinzip bin ich wie beim sukzessiven Kauf von Stereo-Equipment vorgegangen - bei den Lautsprechern (also Objektiven) zu Beginn nicht sparen, um dann den Rest der Anlage peu a peu aufzurüsten. Tja, jetzt ist nach über drei Jahren eigentlich die D80 da schwächste Glied in meiner Knipskette, aber ich zieh jetzt mal schön die Reißleine und schlage mir das Thema “neuer Body” ganz schnell aus meiner Nagerrübe. Denn wozu gibt es schießlich Bildbearbeitungs-Software… ;-)

Phil

[irr:glauben]

Phil am 26. August 2010 um 22:56

Phil

[horror:chat]

Phil am 25. August 2010 um 18:47

Wer Chatroulette noch nicht kennt, tja …das ist nix anderes als ein Videochat, der zufällig Schwatzwillige einander zuordnet und man bei Desinteresse sich sofort das nächste Gegenüber zuspielen lassen kann. Nix dolles eigentlich, eher langweilig, ab und zu ein paar Hängetitten, barbusige, gelangweilte Mädels oder halt Männer mit der Hand am Schwanz an der Bierdose - mehr ist da meistens nicht zu sehen. Eine weitere, aber erfolgreiche Plattform für Voyeure und exhibitionistisch veranlagte Zeitgenossen, die jetzt auch für virales Marketing genutzt wird.

So wie in diesem Beispiel wird ein Horrorfilm promotet, was die Kerle ja nicht wissen können, denn eigentlich hatten meine notgeilen Geschlechtsgenossen etwas anderes erwartet, als die jungen Damen ihnen nett zulächelten und an der Bluse zu nesteln begannen …

( via x-andere Blogs)

Phil

.de

Phil am 25. August 2010 um 17:13

Als ich vor knapp vier Jahren mit dem Blog von einem Bloghoster auf eine eigene Domain umzog, hatte ich keinen Bock den Blognamen wegen der nicht verfügbaren deutschen Domain umzubenennen und reservierte mir die Murmeltiertag URLs mit der .net und .com Endung. Dies widersprach zwar meiner Philisophie als ehemaliger Domaingrabber, stets die drei geläufigsten Domainendungen (.de, .net und .com) besitzen zu wollen, aber egal, sagte ich mir damals und liess meine Krämerseele Krämerseele sein.

Ich nahm zwar immer wieder Anläufe, die deutsche URL zuerst einer Privatperson und später zwei ausländischen Domaingrabbern abzulabern, aber mangels Interesse seitens des Besitzers und überzogener Preisvorstellungen (400 bis 500 Euro!) zeigte ich allen jeweiligen Inhabern stets den allseits bekannten Finger.

Das Thema hatte ich fast vergessen, bis Sookie mich vor ein paar Wochen darauf aufmerksam machte, dass die deutsche Domain zum Verkauf anstünde. Ich guckte nach und tatsächlich, der Besitzer hatte mal wieder gewechselt und nannte sich nun DomainProfi GmbH mit Sitz in Osnabrück. Auf dem Formular für interessierte Käufer tippte ich den geringst möglichen Preis ein, was in der Folge einen munteren Mailverkehr mit Martin Steinkamp, dem Geschäftsführer, nach sich zog.

Die DomainProfi GmbH wollte einen guten Preis erzielen, ich am liebsten überhaupt nix bezahlen und so ging es hin und her wie in Kalkutta auf dem Fischmarkt. Oder in Bagdad auf dem Teppichmarkt, wie auch immer. Vielleicht hatte meine Argumentation gezogen, dass ich die deutsche Domain nur auf das Angebot unter .net umleite und dass es vor allem für die Domain Profi GmbH wenig Sinn mache, eine URL zu bunkern, für die unter anderen Endungen schon jahrelang ein Angebot (=mein Blog :-) ) existiert und somit ein möglicher Käufer gar kein Interesse habe, zu diesem Angebot womöglich in Wettbewerbskonflikte zu geraten.

Um es kurz zu machen, Martin Steinkamp überliess mir zum geringst möglichen Preis dann den deutschen Murmeltiertag und ich glaube, da hat er sogar etwas drauflegen müssen. Somit bin ich nun auch für all jene zu erreichen, die bei Nennung des Blognamens “automatisch” an die deutsche Domain denken und bisher doof guckten, als darunter nix am Bildschirm erschien. Die Vertragsabwicklung und der Domainumzug gingen echt super flott von statten - wer von Euch damit liebäugelt eine interessante Domain zu erwerben und einen Top Service in der Vermittlung und Abwicklung erwartet, der schaue einfach mal bei der DomainProfi GmbH vorbei.

Phil

(Natürlich ist das hier schon ein wenig Werbung, aber ein Bestandteil des Kaufvertrags war, dass ich einen Backlink zur Internetseite der Verkäufers in einem kurzen Beitrag setze. Und getürkt ist deswegen nichts - es ist meine ehrliche Meinung über den Service.)

Lightroom Workshop in Kassel

Phil am 24. August 2010 um 11:50

Vor einigen Wochen habe ich mir Lightroom zugelegt, um meine Fotos nun professionell vermurksen zu können. Als Autodidakt in der Fotografie komme ich zwar mit einfacher Software zur Bearbeitung von Bildern ganz gut klar, aber schon Photoshop Elements ließ mich manchmal an meine könnerischen Grenzen stossen.

So bot sich nun bei lens-flare.de die Chance, an einem Workshop teilzunehmen, der Grundlagen wie auch Tricks von Profis bei der Nutzung von Lightroom vermittelt. Der Workshop endet gegen 17 Uhr, vielleicht bietet sich ja im Nachgang die Gelegenheit für ein spontanes Bloggertreffen in oder um Kassel herum. Wer mag, kann sich deswegen ja mal bei mir melden.

Wer übrigens eine kostenlose Software zur Bildbearbeitung sucht, der schaue mal bitte bei Herrn Olsen vorbei, der vor kurzen im Blog den JPG Illuminator vorstellte. Ein echt leistungsfähiges Programm, das vieles kann, was u.a. auch Lightroom an Funktionalität bietet. Wo ich mich gerade mal reinbeissen könnte, sage ich jetzt besser nicht.

Phil

Christoph Schlingensief, non konform.

Phil am 23. August 2010 um 23:41

“Ich habe keinen Bock auf Himmel, ich habe keinen Bock auf Harfe spielen und singen und musizieren und irgendwo auf einer Wolke herumgammeln!”

(Zitat Spiegel, 15. Dezember 2008)

Es ist viel geschrieben worden über den Tod von Christoph Schlingensief und ich bekenne, stets ein stiller Bewunderer seines Schaffens zu dessen Lebzeiten gewesen zu sein. In seinem Wirken, in seiner (lasziven) Negierung gesellschaftlicher wie auch kultureller Normen war er mir irgendwie immer so eine Art Bruder im Geiste. Krempel mal den Laden um, das war sein Motto in vielen Belangen seines Leben gewesen und ich bin mir ziemlich ziemlich sicher, dass der Himmel bald keinen Bock mehr auf Christoph haben wird.

Denn die Wolken haben in seinem Sinne nun demnächst eckig zu sein, das Firnament ist gefälligst in grau-pink oder sonstwie gegen den Trend getüncht zu sein; Harfen gehören demnächst  in die Tonne getreten und Elektro-Sitars haben statt dessen für den interstellaren Move zu sorgen. Gammeln ist jetzt out und die armen Engel müssen hundertmal härter trainieren als jedes Mädel aus dem DSDS-Prekariat, um die Chance für eine Rolle im innovativen Himmelsballet von Christoph Schlingensief zu erhalten. Oder so ähnlich, wie auch immer.

Da “oben” wird nun aufgemischt, während sich hier unten Lethargie und Non-Konformismus in fast allen Lebenslagen weiter breit machen wird. Das ist und war nie C.’s Ding gewesen und ich glaube, dass inzwischen der liebe Herrgott schon ein paar mal entnervt nach seiner Margot(t) gerufen hat. Ziemlich laut sogar, wenn ich mich nicht irre, denn Alternativ-Pop und Engel in Trance zwischen den Wolken bringen sogar den Chef aller Chefs ins Wanken, der heute genervt den Parsifal aus den Gedanken der Menschheit streicht.

Parsifal suchte den Gral als materielles Übergut in Form eines gleißend strahlenden Gefäßes, scheiterte aber letztendlich an der Verantwortung, die aus der Macht des Besonderen eben jener ihm überlassenen Verantwortung im menschlichen Handeln resultiert. Christoph Schlingensief hatte jene Macht übernommen oder zumindest es versucht und davor ziehe ich meinen Hut. Wie vor jedem, der auf friedliche Weise Konformität in Richtung ad absurdum zu führen versucht wie eben Christoph.

mash it up!

Phil

Altstadtgeflüster (5)

Phil am 22. August 2010 um 22:56

Drei ältere Damen verlassen die örtliche Malschule und himmeln ein paar Bier trinkende Anwohner auf dem Platz vor der Schule im Vorbeigehen an. G: “Und Püppies? Heute schön den Pinsel geschwungen?”

WM 2010, J. fordert einen ihm unbekannten Tischnachbarn nach der Pleite der Deutschen gegen Serbien zum Wettstreit auf. In dem es darum ging, wer  auf der Vuvuzela länger den Ton halten könne. J. verliert, weil sich im Nachgang herausstellt, dass sein Kontrahent im örtlichen Fanfarenverein spielt. J.’s Rechnung (Lokalrunde) - bezahlbar, sein Gesicht - unbezahlbar.

P. ist Offenbacher Kickers-Fan und L. von dem Verein, der da wo richtig Fußball spielen kann,  nämlich von der Eintracht. Disput am Tresen zwischen den beiden, L. zu P. irgendwann entnervt: “Sag mal, haste Sehnsucht nach ‘ner Schnabeltasse?”

Die Bedienung L. im U. ist seit mehreren Minuten abwesend. Genervter und zahlungswilliger Gast M. fragt den Wirt, wo denn L. sei - Wirt.: “Der bringt gerade den Obama ins weiße Haus!”

D. jammert über die Ungerechtigkeit und so…: “Meine Frau hat sich zum Geburtstag einen Zweisitzer gewünscht, den ich ihr dann auch gekauft habe. Ich verstehe nur nicht ihr Gemecker, weil der neue Pickup ist doch echt klasse…”

M. hat den (unberechtigten) Ruf eines Casanovas in unserer Altstadt, entsprechend genervt reagiert er auf die stets wabernden Gerüchte, die ihm dieses und jenes Verhältnis andichten. Seine Reaktion auf das neueste Geschwätz: “ich weiß, ich weiß … wenn es nach den Leuten ginge, wäre ich die erste Privatperson in Deutschland, die an ihrer Wohnungstür eine Babyklappe hat.”

Phil

[kopfgeschosse:50]

Phil am 21. August 2010 um 23:52

Solange das permanente Kopfkino unseren Hader frisst,
solange scheißt die Hoffnung auf das vermaledeite Jetzt.

Phil

Mannheim, Roonschieerbahnhof

Phil am 20. August 2010 um 10:47

Eine Bahnfahrt die ist lustig, eine Bahnfahrt, die macht Spaß … Geistesgegenwärtig mittels Handycam die ICE-Durchsage eines schwulen verschnupften Schaffners mitschneiden und fertig ist der digitale Kult.


( via )

Phil

[ab:gang]

Phil am 19. August 2010 um 12:15

“Wenn Du dann gegangen bist, erschieße ich mich.” Das war der letzte Satz, den JJ zu C. sagte und kaum hatte sie JJ’s Wohnungstür hinter sich zugezogen, hörte sie schon den Knall im Treppenhaus. JJ ist nun der zweite Mann aus meinem persönlichen Umfeld, der sich in letzter Zeit erschossen hat; drei Jahre zuvor ging H. aus dem Nebenhaus in die kleine öffentliche Parkanlage unterhalb der Stadtmauer und schoss sich ebenfalls in den Kopf.

In beiden Fällen war eine unheilbare Krankheit der Auslöser des Suizids und was mich immer an derlei Taten wundert ist, woher diese Waffen waren. Keiner der beiden war in einem Schützenverein oder aus anderen Gründen berechtigt, eine Pistole und Munition zu besitzen. Es scheint wohl immer noch Mittel und Wege zu geben, sich eine geladene Knarre zu besorgen, was immer man auch mit ihr anstellen mag.

Der Umstand von JJ’s Tod wäre vielleicht gar keinen Beitrag im Blog wert, aber die Tage und Wochen davor sind es, die mir und den meisten Leuten, die JJ mehr oder weniger kannten, ein wenig Kopfzerbrechen verursachen. JJ war durch seine Vereinsaktivitäten und Jugendarbeit ziemlich bekannt bei uns und hing auch öfters am Abend in den üblichen Kneipen unserer Altstadt ab. Er war mehr oder weniger beliebt, letzteres wohl auch, weil er gern zuviel schwatzte. Und jenes Geschwätz war es wohl, als das es für solches wohl gehalten wurde, als JJ in letzter Zeit ankündigte, dass er bald von der Bühne des Lebens abtreten werde.

Davon hatte ich auch vor vielleicht 4 oder 5 Wochen beiläufig gehört, es aber eben für das übliche Geschwätz der Leut’ gehalten, auch weil man JJ die Krankheit (eine unheilbare Muskelschwäche) überhaupt nicht ansah. Der Abgang von JJ war und ist zur Zeit das Thema Nummer eins bei uns und als man mir gestern Abend die Todesanzeige zeigte, war mir ziemlich schnell klar, dass eigentlich sehr viele Personen von JJ’s Plan sich zu töten gewusst haben müssen.

Da wäre z.B. C., die ihn als letztes besuchte und sah; sie nahm anscheinend die Ankündigungen ihr gegenüber wohl nicht ernst, obwohl sie zum erweiterten Familienkreis gehörte und JJ besser gekannt haben sollte. Freunden gegenüber hatte JJ wohl auch schon geäussert, dass er sich in den Kopf schiessen würde, solange er noch seine Arme heben könne. Vielleicht hatte er es auch seinem Arzt angedeutet, aber einer hätte es doch sicher wissen müssen - sein Bestatter!

JJ hatte für die Zeit danach bestens vorgesorgt, er hatte alles gekündigt (Abos, Mietsachen, Mitgliedschaften etc.) und aufgelöst (Konten z.B) und beim Bestatter seine eigene Beerdigung organisiert - er wollte wohl, dass er jetzt niemanden mehr großartig zur Last fiele. Den Sarg, die Urne etc. und sogar eine selbst verfasste (und recht lockere, fast pietätlose) Traueranzeige bestellte er vorab bei dem Beerdigungsinstitut. Sein letzter Wunsch auf jener Anzeige war, dass ja keiner in Trauerkleidung kommen solle.

Auf der einen Seite fragte ich mich (wie auch andere es sich) bis heute, weshalb niemand JJ ernst nahm oder ihn von seiner Absicht abbringen wollte. Wenn jemand mir persönlich auch nur andeutungsweise sagt, dass er sich umbringen wolle, nähme ich das schon irgendwie ernst, auch wenn es jemand wäre, den ich nicht gut kenne oder vielleicht gar nicht leiden mag. Ich würde bestimmt nach dem Grund fragen und wenn dann die Antwort lautete, dass es eben eine schlimme Krankheit sei und man nicht voller Schmerzen und als sabberndes Etwas seine letzten Tage verbringen wolle, ich wohl mit Respekt reagieren würde.

Vielleicht ist das der Grund, weshalb alle, die es wussten, scheinbar weg gehört hatten - der Respekt vor JJ’s Entscheidung, sein Leben in noch gewisser Würde selbst in der Hand zu haben und es kurz vor dem Verlust jener Würde dann bewusst zu beenden. Das ist auch der Tenor aus den Meinungen anderer Menschen, die ich kenne und die JJ kannten - im Geiste ziehen die meisten von ihnen den Hut vor JJ’s Mut. Und hoffen auf irgend eine Art und Weise, dass sie für den Fall der Fälle ebenfalls jenen Mut aufbringen könnten.

Phil

[kopfgeschosse:49]

Phil am 17. August 2010 um 23:32

Solange Fürze in den Köpfen von Politikern mein Umfeld regieren,
solange muss ich mir keine Gedanken um meinen Arsch machen.

Phil

Kopfzerbrecher “Fotoausrüstung im Urlaub”

Phil am 17. August 2010 um 12:20

Dieses ist der dritte Auszug aus dem Projekt “Heita Namibia!“, den ich aufgrund Steffens Beitrag über das Fotografieren im Urlaub in seinem Blog lens-flare.de für alle Interessierten vorab veröffentliche, da ein Urlaubstrip in die Wildnis, bei dem die Fotografie im Vordergrund stehen soll, gut durchdacht und vorbereitet sein will. Da ich auch andere Fotoblogs wie z. B. Martin Gommels Kwerfeldein zum Thema eher erfolglos durchstöbert habe, soll dieser Beitrag als Ideengeber für ähnlich gelagerte Projekte und Reisen sein.

14. August 2010. Diese Woche erreichte mich per Paketpost das letzte Puzzlestück meiner Fotoausrüstung, die mit in den Südwesten von Afrika reisen wird - ein Fotorucksack von Tamrac aus der Backpack Full-Sized Serie. Überhaupt, die Planung des Foto-Equipments war bislang neben dem Abstecken der Reiseroute der größte Zeitfresser während der nun seit Mai laufenden Vorbereitung.

Ich weiß nicht mehr, wieviel Rucksäcke ich mir angeschaut und in Gedanken gepackt habe, denke aber, dass ich jetzt das auf meine Bedürfnisse zurecht geschnittene Gepäckstück gefunden habe, das mehrere Voraussetzungen erfüllen musste: Der Tragekomfort muss stimmen, da zwischen 10 und 15 Kilogramm an Ausrüstung u.a. bei mehreren Kilometern Wanderung durch die Namib nicht zur Qual werden sollen; ebenso ist das Eigengewicht des Rucksacks wichtig, da in der von mir angepeilten Größe es je nach Hersteller Unterschiede bis zu 2,5 Kilogramm im Eigengewicht gibt.

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No Way back!

Phil am 15. August 2010 um 14:23

Jetzt gibt es kein Zurück mehr, diese Woche kam die Buchungsbestätigung vom Reiseveranstalter für den Afrikatrip im Dezember und die Anzahlung ist auch schon geleistet. Was ganz klasse ist, dass man uns einen Reiseführer mit übersendet hat, in dem die verschiedensten Campingmöglichkeiten auf unserer über 5.500 Kilometer langen Strecke mittels Textmarker und Post-Its gekennzeichnet wurden und auf Empfehlungen des Reisebüro-Inhabers und anderer Reisenden basieren. Ebenso wurden einige Lodges empfohlen für jene Streckenabschnitte meiner Tour mit Scooter, an denen Camping nicht möglich oder aufgrund diverser Risiken nicht empfohlen wird. Letzteres vor allem, weil wir keine großartige Lust verspüren, eines Morgens um ein Auto leichter, dafür aber um ein paar Gramm Blei schwerer aufzuwachen.

(c) Fotos via und via

In jenem Allrader werden wir also bald unterwegs sein und auf engsten Raum Tag und Nacht zusammen glucken. Nicht auszudenken, diese Tour womöglich mit einer Frau zu machen, das ist glaube ich eher nur etwas für richtige Kerle, die nicht sofort bei jedem Krabbeltierchen kreischend aufs Dach flüchten oder mangels etlicher Komforteinbussen (kein Schminken, eingeschränkte Möglichkeiten der Körperpflege oder jeden Tag Menüs vom Springbock essen…) die ganze Fahrt über am Meckern sein würde. Mit Scooter werde ich das gerne alles in Kauf nehmen und wenn er bis Dezember seine chronischen Blähungen noch in den Griff bekäme, wäre mein Glück vom Traumurlaub so ziemlich perfekt.

Phil

Grillzeit!

Phil am 13. August 2010 um 17:54

Ich könnte den Kommentator versetzungsgefährdet gerade mal grillen, weil er im vorherigen Beitrag als intimer Kenner der Altstadtszene ausplauderte, was das da auf dem Foto ist. Also muss ich heute flugs noch einen Beitrag bringen, um meine lieben Leser bei Laune zu halten. In diesem Sinne - ein schönes Wochenende Euch allen!

Phil

Ein sehr seltsames Urlaubsmitbringsel…

Phil am 13. August 2010 um 16:57

Bei unseren Altstadtwirten kommt bekannterweise ja selten Langeweile auf (ihr erinnert Euch?) und vorletzte Woche brachten ein paar Stammgäste aus ihrem Urlaub dem Ronny ein echt seltsames Geschenk mit. Welches, wie ich glaube jetzt auch bei Euch, die peinlichsten wildesten Spekulationen verursachten.

Oder?

Phil

Wehrpflicht ade!

Phil am 13. August 2010 um 12:20

So wie es aussieht ist die Wehrpflicht wohl bald Schnee von gestern und ich bin schon ein wenig betrübt darüber. Denn ohne den Dienst an der Waffe fehlt, wie ich finde, dem Mann in seinem persönlichen Reifeprozess genau jener Abschnitt zwischen seiner Jugend und dem Erwachsensein, in dem er sich viele Dinge aneignen kann, die ihn eben zu jenem macht, was er einmal sein soll - nämlich ein Mann!

O.K., dass ich beim Barras gelernt habe, Hemden und Shirts exakt auf DIN A4 Breite zusammenlegen zu können, macht mich noch lange nicht zum Mann, ringt aber jeder Frau ein Staunen ab, wenn sie erstmals in meinem Kleiderschrank jene preußische Ordnung erblickt, in der meine Kleidung sortiert und gestapelt ist. Auf Stoss und exakte Breite falten mache ich heute noch und dies schon seit Ewigkeiten ohne Zuhilfenahme eines innen liegenden A4-Blattes. Überhaupt habe ich einen gewissen Ordnungssinn für viele Dinge des Alltäglichen aus meinen 15 Monaten beim Bund mitgenommen, denn zuvor war Ordnung eher ein Fremdwort für mich. Der Spieß meiner Einheit war damals für meine Mutter der größte Held, denn dank ihm war mein Zimmer im Elternhaus plötzlich über Nacht wieder begeh- und übersehbar.

Echte Männer werden keine Beamte und die seinerzeit wärmsten Empfehlungen meiner Familie, nach dem Abitur doch in den sicheren Staatsdienst alias Bundeswehrverwaltung zu gehen, ließen mich schon nach ein paar Monaten bei der Artillerie kalt. Bei der Bundeswehr wurde damals zwar lustig im Dreck gerobbt, über den Hundeplatz gehetzt und ab und zu auf Papprussen geschossen, aber die staatliche Verwaltungsmaschinerie schlug selbst bei meiner kämpfenden Truppe durch, wo es für alles und jeden Furz irgendein Formular, einen Antrag oder eine Dienstanweisung gab. Da war mir die freie Wirtschaft mit ihren Kämpfen in der Ellenbogengesellschaft dann doch lieber.

Apropos Kampf und so – hätte ich nicht schon viel Sport in meiner Jugend getrieben, wäre ich wohl eines jener soldatischen Weicheier gewesen, die dem täglichen Spott und der Schikane von dummen Unteroffiziersrängen ausgesetzt gewesen wäre. In meiner Einheit wurde man echt fit gemacht, viel Ballsport oder Laufarbeit (fast jeden Tag ein paar Kilometer lockeres Joggen und wöchentlich die 5.000 Meter auf Zeit) war angesagt sowie die Kondition fördernde Geländeübungen in voller Militärmontur formten meinen dürren stählernen Body. Aus den anfänglichen Weicheiern wurden in den 15(!) Monaten Dienstzeit damals entweder echte Männer mit starken Muckies oder alternativ eben Sesselfurzer, die sich lieber in Verwaltungsjobs verdünnisierten. Um uns von dort auf andere Weise zu schikanieren.

Schikanieren, ja, das gab es und so etwas wie den Wehrbeauftragten kannte man irgendwie nicht. Dass Heer ist eine Gesellschaft innerhalb der Gesellschaft und nirgendwo ist die soziale Hackordnung klarer abzulesen als an den Dienstgradabzeichen. Entweder wurde man zur Obrigkeitsdenke und Duckmäuserei erzogen oder man widersetzte sich als Wehrpflichtiger jenem System so gut wie man es mit den zur Verfügung stehenden Mitteln eben konnte. Zweimal musste allein ich bei meinem Hauptmann antreten und mir ein „Gefreiter Phil – stiiiiiiillgestanden!!! Stellvertretend für den Bundesminister der Verteidigung ergeht folgendes Urteil: …“ anhören. Manchmal überschätzt man halt jene Mittel, die man meint zur Verfügung zu haben. Und ist dann trotzdem stolz, sich wider- und durchgesetzt zu haben, man eben seinen Mann gestanden hat.

Auch andere Erlebnisse und Eindrücke habe ich aus jenen Monaten beim Militär mitgenommen, die mich - wie ich denke - überwiegend positiv in meiner persönlichen Entwicklung beeinflusst haben. Natürlich habe ich damals auch etliches Negatives erfahren müssen - Exzesse, körperliche Gewalt, Betrug bis hin zum Verlust mehrerer Kameraden nur mal so als Beispiel genannt. Dies steckt nicht jeder Mensch gleich gut weg und kann sich dadurch psychisch belastet in die „falsche“ Richtung entwickeln. Da jene schlechten Einflüsse auf Charakter und Seele kein alleiniges Phänomen der Bundeswehr sind, sondern auch im stinknormalen Alltag präsent sind, wäre es falsch von mir aufgrund meiner persönlichen Erfahrungen hier ein schlechtes Bild vom Heer zu zeichnen.

Ich erinnere mich gerne an den Bund zurück und musste vor einigen Monaten sehr oft lachen, als ich Sven Regeners Neue Vahr Süd las; die Abschnitte in diesem Buch über die Wehrpflicht von Herrn Lehmann erinnerten mich oft 1:1 an meine eigene Zeit dort. Und so ist es auch heute noch, die schlechten Erinnerungen sind längst verblasst und verblieben sind die amüsanten Momente aus meiner Militärzeit. Vielleicht erzähle ich ja mal hier im Blog ein paar meiner Geschichten als Soldat, vielleicht auch jene, wie ich nach 15 Monaten um Haaresbreite als Vorbestrafter ins zivile Leben zurückgekehrt wäre. Ich fand es jedenfalls lustig, meine Vorgesetzten hingegen nicht. Mein Abgangszeugnis als einfacher Dienstgrad wanderte übrigens am letzten Tag meines Dienstes direkt in den Papierkorb. Nuuuuull!

Macho Phil

[augen:blick]

Phil am 12. August 2010 um 23:29

kleine käfer nagen an meinen erinnerungen, viele kleine käfer, längst aber in ihrer anzahl nicht genug, um all jene gedanken zu löschen, derer ich so lange schon so leid, so überdrüssig, so freudlos geworden bin. moskitos stechen in meine poren und pumpen mit ihren winzigen rüsseln all jenes wieder an vergangenenem zurück in meinen kreislauf, in mein herz, in meine seele und sie alle freuen sich, jenes, was sie saugender weise diesen kleinen käfern entnommen haben, mir in einem anfall von heimtücke im schlaf des vergessenwollens wiedergeben zu können.

es ist heute, es ist spät und und zu früh, aber im gestern wie auch morgen nagen der innere kreislauf des vergessens und der erinnerung  in mir, nur mal so kurz, in diesem augenblick, als der perseidenstrom über dem himmel auf meinem balkon über mich hinwegzieht. es ist nur ein augenblick, kein gestern, kein heute und kein morgen. nur ein jetzt. nichts anderes gerade es zu sein scheint, nichts als nur ein wunsch, für mich, wie auch für so viele andere, einfach, aber wohl nur letztendlich unerfüllt. schnuppe halt, weil vieles in den sternen steht, wie in diesem winzigen und gleichzeitig  gelebtem augenblick.

phil