[modus=polemik:on?]
Seit Tagen verfolge ich die Debatte über “Sexismus” in Print- und Online-Medien; angezettelt von einer Journalistin des Sterns (Laura Himmelreich), weil ein gewisser Herr Brüderle (als per se potentieller FDP Vorsitzender) diese ihrem Wortlaut nach “angemacht und belästigt” habe. Ah ja. Und. Eigentlich… wollte ich mich nicht zu diesem Thema hier im Blog äußern. Um nicht Teil jener Welle zu sein, die derzeit durch die Medien schwappt. Vor allem vor dem Hintergrund, dass ich derzeit meinen Blog recht wenig aktualisiere, weil ich andere gesetzte und für mich wichtige Prioritäten wahrnehme. Dinge im Leben wahrnehme, nach ihnen handele, versuche -wenn auch nur im Kleinen- ein paar Dinge in meinem mich umgebenden Mikrokosmos derart zu gestalten, dass die dort drin lebenden Menschen sich wohl, vielleicht aufgehoben oder z, Bsp. verstanden fühlen. Jene, die mich privat kennen, wissen darum. Kultur an Frau / Mann zu bringen, Burn-Outs zu vermeiden, kulinarisch zu experimentieren oder einfach mal den lieben Herrgott einen guten Mann sein zu lassen. Bewusst verzichte hier auf Verlinkung zu jeglichen Artikeln, Kommentaren oder Blogeinträgen etc., da sie in der Sache nichts bewirken. Außer Aufmerksamkeit.
Beide Seiten haben in der allgegenwärtigen Diskussion zum “Thema” irgendwie recht. Angegrapschte Frauen, Mobbing im Berufsleben, wichsende Männer vor Pornos, unverstandene Softies, die das Weib als solches verteufeln. Und so weiter, und so weiter… Die Spielarten in all jenen öffentlich geführten Diskussionen sind derart vielfaltig, dass eine dedizierte Verlinkung / Nennung der jeweiligen Quelle die Rahmen meines Blogs und dieses Statements sprengen würde. Ich spreche hier niemanden dessen Meinung ab, verurteile dessen Standpunkt - bitte einfach nur darüber einmal nachzudenken, weshalb eben jene “Brüderle-Wellen-Sau” durch die Öffentlichkeit getrieben wird, anstatt sich auf die eventuelle Triebfeder (Wortwitz!) zu fokussieren.
Mit diesen “Shit-Storms” dank PC, Mobile Web, Smartphones, PDA’s und und und ist es einfach geworden, einzelne Personen zu diskreditieren, sie fertig zu machen. Man muss nicht mehr einen fundierten Leserbrief schreiben, einen gut recherchierten Artikel oder so “zur Sache” in den Umlauf zu bringen - Nein! Man twittert z. Bsp. mal schnell was, um mit minimalem Aufwand maximale Aufmerksamkeit zu erzielen. Eine persönliche Ansicht als Pseudo-Fakt einer breiten Masse deklarieren, um der eigenen Unscheinbarkeit mehr Visibilität in der Gesellschaft zu verschaffen. Einer Gesellschaft, die sich inzwischen immer mehr egoistischen Interessen anstatt gemeinschaftlichen und der aus ihnen resultierenden Verantwortung verpflichtet fühlt.
Haut einfach weiter nur drauf! Jack Wolfskin, von Guttenberg, Jako, Schavan, Nestle und so weiter und so weiter… Egal ob Person oder Institution, der nach “Recht” und “Gleichheit” und “Nach-was-auch-immer” schreiende Mob diktiert derzeit in seiner Meinung die omnipräsenten Medien. Pusht die Auflagen; die Klicks. Der mediale Gesellschafts-Hitler³ versucht die Meinungs-Macht an sich zu reißen, ohne zu bemerken, wie erbärmlich jenes Unterfangen ist. Wie erbärmlich eigentlich dessen eigene Position im globalen Miteinander in der interdisziplinären Gestaltung unserer Gemeinschaft ist.
Syrien? Interessiert nicht. Ein Po-Grapscher bringt mehr Aufmerksamkeit! Kinderarmut in Deutschland? Die Geissens sind wichtiger. Korruption geht mal gar nicht, Hauptsache meine Versicherung zahlt für den Betrug, den ich selber zu vertuschen suche. Bei der Steuererklärung zu bescheißen ist Volkssport, einen Hartz IV’ler (wie derzeit mich) zu diffamieren und sein Dasein zu diskriminieren, ist latentes Gewohnheitsrecht in unserer Gesellschaft. Jeder Bedürftige ist ein Sozialschnorrer, jeder Kranke eine Last für meine Krankenversicherung und die schon heute intensive Pflege alter Menschen reduziert in der Zukunft den Komfort meiner eigenen, möglichen Demenz. Einzelne Menschen, einzelne Institutionen sind angreifbar. Letzteres kommt von “greifen” können. Man kann sie in den Fokus des eigenen wie auch des öffentlichen Interesses rücken, man kann sie heutzutage fertig machen. Jeder halbwegs technisch und demagogisch versierte Journalist, Blogger, Kommentator … kann auf einer breiten Plattform der individuellen Wahrnehmung sein mehr oder weniger konstruktives Gedankengut publizieren.
Von all jenen, die jegliche dieser informell meinungsmachenden Plattformen wahrnehmen, wird ein mentaler Gleichschritt in der Gesellschaft insistiert, der von allgemeinem Interesse zu kunden scheint. Nein, sage ich, denn Ziel kann es nicht sein, die Macht der neuen Medien zu ersetzen durch die egozentrische Präsenz am Stammtisch der lokalen Dorfkneipe des Heimatorts. Nur, dies wird viel zu häufig verwechselt. Selbst durch “erfolgreiche” Publizisten in welchem Medium auch immer. Der Aufschrei des Einzelnen bringt mehr Aufmerksamkeit, als die differenzierte Auseinandersetzung mit einem Thema, einem Sachverhalt und insbesondere mit einer Person, Institution.
Ob Sexismus-Debatte oder was auch immer auf klar fokussierbare Dinge - der Mob richtet, der Mob wird es richten. Vor den wahren Problemen (Parteiensystem, Lobbyismus, Waffenexporte, Staatsüberschuldung …. UND UND UND!!!!) wird gekniffen. Keiner packt es an - darum lasst uns auf den scheinbar Kleineren, leichter angreifbaren oder eh in der Öffentlichkeit nicht Unumstrittenen herumhacken. Weil es euch gut tut. Eurem verdammt verfickt wichtigen Mikrokosmos aus euren nur auf euch selbst projiezierten Wertevorstellungen. Danke.
#fickteuch
Phil
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