Drücken - Ziehen. Meine ersten holländischen Wörter, die ich heute lernte. Am ersten Tag beim Erzfeind, mitten in Den Haag. Überlebenswichtig, um ohne verstauchte Handgelenke sich bei meinem neuen Kunden durch die Gebäude zu bewegen, Büroansammlungen, bei denen es den Anschein hat, dass sich auf jedem Quadratmeter Fläche mindestens eine Tür tummelt. Doch zum Kunden erst später in diesem Blog mehr inhaltliches respektive Verwerfliches. Denn der heutige Tag begann mit einem kräftigen Verschlafen und circa 20 Minuten Restzeit, um sich für das Taxi zum Flughafen fertig zu machen - waaaaaah! Fängt ja gut an!!!
Seit mehreren Jahren steckte ich in keinem Projekt mehr, das ich ohne PKW erreichen konnte - aber der montagliche Check-In-Wahn am Flughafen scheint sich seit damals in meinen Fly-and-Hopp-Zeiten trotz allgegenwärtiger Finanzkrise potenziert zu haben. Macht aber nix, denn irgendwie fühlte ich mich gleich wieder heimisch in jenen verpennten Menschenmassen, die den Sonntagssuff noch in den Augen habend, sich zwischen Check-In, Gepäckaufgabe, Security-Check und Zeitung organisieren dem weit entfernten Arbeitgeber entgegen reisen. Und kaum betrat ich die Lutschhansaboeing nach Amsterdam, krähte mir aus den vorderen Sitzreihen ein schallendes “Ey Phil, Du alte Projektratte - was machst Du denn jetzt bei den Käsköppen???” entgegen.
Scheisse, dachte ich mir und nahm hinter Volker dem Verpisser und seinen zwei Blödmannsgehilfen Platz. Ein Arschloch per excellance, mit dem ich mal knapp zwei Jahre zusammen arbeiten musste und ihn zuweil echt gerne mit der Chromaxt malätriert hätte. Aber so ist das mit uns Beraterpack - man sieht sich immer mindestens zwanzig Mal im Leben, nicht nur die üblichen zweimal. Ich liess im Flieger sein wichtiges und pseudojovales Geblubber über mich ergehen und verpisste mich nach der Landung in Richtung…? Richtig. Pissoir. Meine Befürchtung, dass Volker bei meinem Kunden sein Unheil treiben würde, erwies sich als unbegründet; er und die zwei Deppen scheffeln direkt in Amsterdam ihre popelige Kohle.

Die Pappnasen bleiben in Amsterdam und ich muss ja nach Den Haag. Gottseidank. Endlich angekommen und gleich den Schnellzug dorthin verpasst. Kacke! Weil die verdammten Ticketautomaten der Kasskoppbahn keine fremdländischen EC-/Kreditkarten akzeptieren und ich mich in eine der vielen gefühlt jeweils 200 Meter langen Schlangen vor den mit Menschen besetzten Schaltern der Käsetram anstellen musste. Ticket gebucht und keine 30 Minuten später war ich in Den Haag Centraal angekommem, tapperte aus dessem Hauptbahnhof und liess mich vom Schlag treffen:

Wenn am Frankfurter Hauptbahnhof zwanzig Haiger (=Radel) herumstehen, ist das echt eine Menge - hier in “Hag” erscheint es mir als mindestens 20.000. Überhaupt - in Holland ist nach meinen ersten Eindrücken die Wahrscheinlichkeit,als Fussgänger von einem Radler über den Haufen gefahren zu werden, eine Milliarde mal grösser als von Autos. Denn PKWs halten zumindest an Zebrastreifen - Radfahrer nicht!
Dann Einchecken im Projekt - Boah! Das ging flott. Nach nicht mal zwei Stunden hatte ich alles wie z.B. alle erforderlichen Ausweise, einen eigenen Schreibtisch, einen PC etc. pp. zur Verfügung gestellt bekommen. Rekordzeit in 25 Jahren Berufserfahrung. Solch eine flotte Administration scheint, schien mir neu; neu allerdings auch die Sicherheitsvorschriften beim Kunden im Haus, die z.B. besagen, dass man beim Treppenlaufen den Handlauf zwingend benutzen muss und andere Kollegen, die es nicht tun, dazu anhalten muss. Schlimmstenfalls jene Handlaufverweigerer beim internen Sicherheitsdienst anzuschwärzen hat. (Schönes Thema für weitere Blogbeiträge, da man bspw. auch nicht mit dem Handy telefonieren darf, solange man am Laufen ist - *örks* - Amischuppen halt…)
Als altem Hasen haben sie mir hier dann im Team so eine Scheissaufgabe übertragen, nämlich jenen Bockmist zu bereinigen, den ein gerade gefeuerter Mitarbeiter verzapft hat. Klasse! Ich schlucke also die Kröte des ersten Tages, weil es schon irgendwie machbar ist, den Scheiss im engen Terminrahmen zu erledigen. Aber dann, am Feierabend, der absolute Tiefschlag!!! Das Hotel, keine sieben Minuten vom Kunden entfernt und mein eingeplantes Domizil bis weit ins nächste Jahr hinein … :
(mitfühlende Leser bitte ich jetzt NICHT weiterzulesen - es kommen dramatische wie auch schlecht mit dem Handy gemachte Fotos aus den mich direkt binnen 20 Meter und mehr umgebenden Slums von Den Haag …)
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