
So als Bankerin arbeitet man ja bürotechnisch oft so ein wenig antiquiert, weil der Einzug moderner Technolgie in diesem Industriezweig immer etwas behäbiger stattfindet als in den meisten anderen Branchen. Die öffentliche Hand in dieser Betrachtung mal aussen vor gelassen, denn hier herrscht ja immer noch finsterstes Tekki-Mittelalter.
Vor dem Einzug der PCs in die Bankenwelt war die Schreibmaschine das Mass aller Dinge und die “wichtigeren” Kollegen hatten in den 80ern sogar welche mit kleinen Laufwerken, in die der Vorläufer der Diskette geschoben werden konnte, um maximal 2 DIN A4 Seiten Textvorlage in die Maschine laden zu können, die dann auf einem einzeiligen Display zu bearbeiten war.
In den Folgejahren verschwand dann die Schreibmaschine sukzessive und pc-technisch waren die ersten Pentiums längst die Porsches unter den Bürorechnern. Kein Mensch in der Bank hatte Mitte der 90er noch solch ein Tippgerät vorrätig und da passierte in unserer Abteilung ein mittlerer Gau - wir mussten für eine interne und einmalige Buchung einen Beleg ausfüllen, mit vier Durchschlägen für die Buchhaltung und bitte nur in Schreibmaschinenschrift. *wtf*!
Alles wuselte herum, durchkämmte andere Abteilungen auf der Suche nach solch einem Gerät, als mein Kollege Norbert das Büro betrat. Er fragte, was denn los sei und wir erklärten ihm unsere Not. Da grinste er nur, schloss breit grinsend einen seiner Schränke auf und zauberte eine alte Schreibmaschine der Marke Olympia hervor: “Ei isch habb doch immä gewussd, des merr son Ding errschendwann emol wieder braache duhn!”
Diese kleine Anekdote fiel mir sofort, als ich feststellte, dass in meinem aktuellen Büro das einzige Faxgerät der Bank auf unserer Büroetage steht und es in der Woche von bestimmt weniger als fünf Kollegen benutzt wird. Sich bei mir das Gefühl breit macht, dass Faxgeräte bald völlig von der Bildfläche verschwunden sein könnten wie sellemols die Schreibmaschine. (Privat besitze ich übrigens noch ein Telefax1, welches aber sicherlich schon vier Jahre in irgendeinem Schrank vor sich hinschimmelt.)
Jedenfalls ist so, dass wohl immer weniger Menschen wissen, wozu ein Fax gut sein soll und erst recht nicht, wie es zu bedienen ist. Denn immerhin haben wir ja schon lange PDFs, Scanner, eMail, Multifunktionskopierer mit automatischem Versand und hastenichtgesehen. Während die meisten der älteren Kollegen die Bedienung solch eines Geräts (noch) drauf haben, sind die jüngeren unter ihnen eher ratlos. Wo macht man das denn an? oder Wie kommt da das Papier rein? bis hin zu (oft mit einem bettelnden Blick auf mich gerichtet) Könnten Sie mir vielleicht mal das …?
Natürlich helfe ich gerne den vor allen jungen blonden und vollbusigen Kollegen, aber seit Wochen erlaube ich mir zum Leidwesen meiner Kollegin im Büro einen schönen Tekkiwitz. Stelle ich nämlich beim Eintreten der Faxwilligen im Büro fest, dass der- oder diejenige beim Annähern an das Faxgerät etwas Unsicherheit verstrahlt, schallt von mir ein “Haben Sie sich auch vorher eine Kopie gemacht???” durch den Raum. Und ihr werdet es nicht glauben, knapp die Hälfte der Leute verschwindet dann erst mal 15 Meter weiter im Kopierraum, um eben genau jenes zu tun…
Phil
1 Welches ich sicherlich nicht entsorgen werde, denn irgendwann brauche ich es bestimmt…